Zahnpasta ist ein täglicher Begleiter in unserer Mundhygiene, doch viele wissen nicht, welche Inhaltsstoffe tatsächlich enthalten sind und ob sie unserer Gesundheit schaden könnten.
Während wir uns darauf verlassen, dass unsere Zahnpasta die Zähne reinigt und Karies vorbeugt, gibt es immer wieder Diskussionen über die potenziellen Risiken bestimmter Zutaten. Von Fluorid über Triclosan bis hin zu abrasive Teilchen – was steckt wirklich in der Tube?
Welche Zahnpasta ist wirklich sinnvoll?
In diesem Artikel erfährst du:
- welche Inhaltsstoffe wichtig sind
- worin sich Zahnpasten unterscheiden
- wann spezielle Zahnpasten sinnvoll sind
- und worauf du beim Kauf achten solltest
Warum ist Zahnpasta überhaupt wichtig?
Zahnpasta unterstützt die mechanische Reinigung der Zähne durch die Zahnbürste.
Sie hilft dabei:
- Zahnbelag zu lösen
- Zahnschmelz zu schützen
- Karies vorzubeugen
- das Zahnfleisch zu pflegen
Die Zahnbürste reinigt – die Zahnpasta verstärkt und ergänzt diese Wirkung.
Teil der Inhaltsstoffe zahnmedizinisch wirksam
Die Angabe der Zusammensetzung von Zahnpasten auf der Packung ist je nach Produkt unterschiedlich lang. Da fast alle Produkte keinen therapeutischen, sondern einen schützenden, reinigenden Effekt haben, fallen sie rechtlich unter den Begriff „Kosmetika“. Laut Vorgabe müssen die Inhaltsstoffe nach der INCI (International Nomenclature of Cosmetic Ingredients) vollständig angegeben werden – bis zu einer Konzentration von 1 % in absteigender Reihenfolge. Für Inhaltsstoffe, die weniger als 1 % ausmachen, ist die Reihenfolge nicht vorgeschrieben.
Ein großer Anteil der Inhaltsstoffe soll Konsistenz, Geschmack und Aussehen günstig beeinflussen. Der kleinere, zahnmedizinisch wichtigere Anteil jedoch enthält Wirkstoffe, die auf unterschiedliche Art vor Karies und Entzündungen schützen oder desensibilisierend wirken.

1. Putzkörper/Schleifpartikel
Putzkörper sind feinste Partikel, die Beläge und Bakterien beim Zähneputzen rein mechanisch von den Zähnen entfernen. Dabei sollen sie den Zahnschmelz möglichst schonen. Gerade Weißmacher-Zahnpasten enthalten oft sehr aggressive Schleifpartikel, die bei regelmäßiger Anwendung die Zahnoberfläche aufrauen und Abtragen. Wie groß der „Schmirgel-Effekt“ ist, wird durch den sogenannten RDA-Wert (Relative-Dentine-Abrieb) angegeben. Zahnpasten mit einem RDA-Wert von mehr als 80 sollten Sie besser meiden – vor allem wenn Sie zu schmerzempfindlichen Zähnen neigen. Zahncremes mit hohem RDA-Wert enthalten oft Schleifmittel wie:
- Titandioxid (Titanium Dioxide)
- Aluminiumoxid (Alumina)
Sanfter zu den Zähnen sind folgende Putzkörper:
- Kieselsäure (Hydrated Silica / Siliciumdioxide)
- Kreide (Calciumcarbonate)
Auch Mikroplastik-Kügelchen wurden einige Zeit als schonende Alternative zu aggressiven Putzkörpern angepriesen:
- Polyethylen (PE)
- Polypropylen (PP)
2. Waschaktive Substanzen und Schaumbildner
Waschaktive Substanzen, sogenannte Tenside, lockern die Zahnbeläge auf und sorgen dafür, dass sie sich besser abbürsten lassen. Sie sind außerdem für den typischen „Schaum“ verantwortlich. Darin sind die abgelösten Partikel gebunden, so dass wir sie anschließend ausspucken können.
Folgende Inhaltsstoffe von Zahnpasta zählen zu den waschaktiven Substanzen:
- Natriumlaurylsulfat (SLS, Sodium Lauryl Sulfate)
- Kokosbetain (Cocamidopropyl Betaine)
Natriumlaurylsulfat hat zusätzlich eine leicht antibakterielle Wirkung. Bei manchen Anwendern kann es allerdings Irritation der Mundschleimhaut oder allergische Reaktionen hervorrufen. Deshalb sollte darauf möglichst verzichtet werden.
3. Fluoride
Fluoride wie Aminfluorid oder Zinnfluorid lagern sich in den Zahnschmelz ein und machen ihn dadurch härter. Sie schützen unsere Zähne so vor Säureangriffen (und damit vor Karies) – zum Beispiel durch die Stoffwechselprodukte von Karies-Bakterien, die Zucker zu Säuren umwandeln. Weiterhin greifen Sie in den Bakterienstoffwechsel ein und stören die Produktion von Säuren. Aus diesem Grund wirken Fluoride kariesvorbeugend. Sie verbergen sich hinter Bezeichnungen wie:
- Sodium Fluoride (Natriumfluorid)
- Sodium Monofluorophosphate (Natrium-mono-fluor-phosphat)
- Olaflur (Aminfluorid)
- Stannous-Fluoride (Zinn(II)-Fluorid)
Fluorid: Vor- und Nachteile
Fluorid ist einer der am häufigsten diskutierten Inhaltsstoffe in Zahnpasta. Seit den 1940er Jahren wird Fluorid in Zahnpasta und Trinkwasser verwendet, um die Zahngesundheit zu verbessern. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Fluorid die Bildung von Karies wirksam verhindern kann, indem es den Zahnschmelz stärkt und remineralisiert. Dies macht Fluorid zu einem unverzichtbaren Bestandteil in der modernen Zahnmedizin.
Trotz der nachgewiesenen Vorteile von Fluorid gibt es auch Bedenken hinsichtlich seiner Sicherheit. Bei übermäßigem Konsum kann Fluorid zu Fluorose führen, einer Erkrankung, die den Zahnschmelz verfärbt und schwächt. Besonders bei Kindern besteht die Gefahr, dass sie zu viel Fluorid aufnehmen, wenn sie Zahnpasta verschlucken. Daher ist es wichtig, die richtige Menge Zahnpasta zu verwenden und darauf zu achten, dass Kinder sie nicht verschlucken.
Ein weiterer Kritikpunkt ist die mögliche Toxizität von Fluorid. Einige Studien haben darauf hingewiesen, dass hohe Dosen von Fluorid gesundheitliche Probleme verursachen können, darunter Knochenschwäche und neurologische Schäden. Allerdings sind diese Effekte meist nur bei extrem hohen Fluoridkonzentrationen relevant, die weit über den Mengen liegen, die in Zahnpasta und Trinkwasser vorkommen. Dennoch bleibt das Thema umstritten, und es ist ratsam, sich über die empfohlene Fluoridzufuhr zu informieren und gegebenenfalls mit einem Zahnarzt darüber zu sprechen.
Wenn man größere Mengen davon schluckt, können Fluoride gesundheitsschädlich sein. Gerade bei Kinder können Kreideflecken die Folge sein. Deshalb sollte Kinder-Zahnpasta, je nach Alter, einen maximalen Fluorid-Gehalt von 500-1000 ppm haben.
4. Hydroxylapatite als Alternative zur Fluorid?
Hydroxylapatit ist ein mineralischer Bestandteil von Zähnen und Knochen und wird in einigen Zahnpasten als fluoridfreie Alternative beworben. Die Idee dahinter: Der Stoff soll sich an den Zahnschmelz anlagern, kleine Defekte auffüllen und die Oberfläche glatter machen.
Was dafür spricht:
Studien zeigen, dass Hydroxylapatit den Zahnschmelz remineralisieren und die Zahnoberfläche glätten kann. Zudem gilt er als gut verträglich und ist besonders für Menschen interessant, die Fluorid vermeiden möchten – etwa bei Fluoridangst, Kindern oder bestimmten Vorerkrankungen.
Was kritisch zu sehen ist:
Im Vergleich zu Fluorid ist die Karies-Schutzwirkung weniger gut belegt1. Fluorid verfügt über jahrzehntelange, hochwertige Studien, die eine deutliche Reduktion von Karies nachweisen. Für Hydroxylapatit ist die Studienlage deutlich kleiner, teils herstellerfinanziert und die Langzeitwirkung noch nicht abschließend geklärt.2
Fazit:
Hydroxylapatit kann eine sinnvolle ergänzende oder alternative Option sein, insbesondere bei empfindlichen Zähnen oder Fluoridverzicht. Für Menschen mit hohem Kariesrisiko bleibt Fluorid jedoch nach aktuellem wissenschaftlichem Stand der besser abgesicherte Wirkstoff.
5. Antibakterielle und entzündungshemmende Stoffe
Diese Stoffe hemmen das Bakterienwachstum und beugen so Zahnfleischentzündungen und Parodontitis sowie Karies vor. Antibakteriell wirken unter anderem folgende Inhaltsstoffe von Zahnpasta:
- Chlorhexidin (Chlorhexidine Digluconate, CHX)
- Zink-Verbindungen wie Zinklaktat, Zinkchlorid (Zinc Lactate, Zinc Chloride)
- Zinnpyrophosphate (Stannous Pyrophosphate)
- Triclosan (Triclosan, TCS)
Triclosan ist in den letzten Jahren stark in Verruf geraten. Die Substanz, die auch als Desinfektionsmittel zum Einsatz kommt, wirkt möglicherweise krebserregend und kann zur Resistenz-Bildung bei Bakterien beitragen. Sicherer ist es, Triclosan in Zahnpasta zu vermeiden – zumal es ausreichend unbedenkliche Alternativen gibt.
6. Desensibilisierend wirkende Stoffe
Diese Substanzen findet man häufig in Zahncremes für schmerzempfindliche Zähne (Sensitive-Zahncremes). Sie sollen die Beschwerden lindern, indem sie die Dentin-Oberfläche versiegeln oder die Reiz-Weiterleitung unterbinden. Häufig verwendet man:
- Kaliumnitrat (Potassium Nitrate): verhindert physikalisch die Reizweiterleitung zum Nerv.
- Zink–Karbonat–Hydroxylapatit (Hydroxylapatit): mechanischer Verschluss der Dentinkanälchen, die für die Reizleitung verantwortlich sind.
- Strontium–Salze (Strontium Chloride, Strontium Acetate): ebenfalls mechanische Wirkung über VErschluß der Dentinkanälchen
- Arginin: wirkt ebenfalls rein mechanisch. Wirkstoff bei Elmex Sensitive
- Novamin (Kalzium-Natrium-Phosphosilikat): Neuer Wirkstoff bei Sensodyne, ebenfalls mechanische Wirkung
7. Konservierungsstoffe
Konservierungsstoffe machen die Zahnpasta haltbar und schützen vor Qualitätsverlust. Den wo Feuchtigkeit ist wachsen auf Dauer auch Bakterien, auch in einer Zahnpasta. Man erkennt sie an Bezeichnungen wie:
- Sorbinsäure (Sorbic Acid)
- Benzylalkohol (Benzyl Alcohol)
- Parabene wie Methylparaben, Propylparaben (Sodium Methylparaben, Propylparaben)
Parabene gelten als problematisch, denn sie können eine hormonartige Wirkung auf den Körper entfalten. Weil die Verbraucher in den letzten Jahren für dieses Thema sensibilisiert wurden, haben viele Hersteller ihre Rezepturen inzwischen umgestellt. Als unbedenklich gelten etwa Sorbinsäure oder Benzylalkohol.
8. Feuchthaltemittel
Feuchthaltemittel verhindern, dass die Zahnpasta austrocknet, selbst wenn sie einmal offen liegen bleibt. Auf unsere Gesundheit haben sie in der Regel keinen Einfluss. Am häufigsten verwendet man:
- Glycerin (Glycerine)
- Sorbitol (Sorbitole)
9. Binde- und Verdickungsmittel
Diese Stoffe sind für die pasten- oder gelartige Konsistenz verantwortlich und verhindern, dass sich im Inneren der Tube Wasser absetzt. Zu dieser Gruppe zählen:
- Xanthan (Xanthan Gum)
- Carrageen (Carrageenan)
- Polyethlyenglykole (PEG, z.B. PEG-6)
Als problematisch gelten die Polyethylenglykole (PEG), weil sie Haut und Schleimhäute durchlässiger machen. Das kann bei Kosmetika einerseits erwünscht sein, um bestimmte Wirkstoffe einzuschleusen. Doch auch schädliche Stoffe können so besser aufgenommen werden. Wer auf Nummer Sicher gehen will, sollte PEG daher besser vermeiden.
10. Geschmacks- und Aromastoffe
Viele Inhaltsstoffe von Zahnpasta schmecken oder riechen nicht besonders gut. Deshalb wird Zahnpasta oft eine Reihe von Geschmacks- und Aromastoffen zugesetzt, wie etwa:
- Süßstoffe (z.B. Sorbit, Saccharin, Xylit)
- Öle und ätherische Öle wie Pfefferminz-Öl (Mentha Viridis Leaf Oil), Menthol oder Eukalyptus-Öl (Eucalyptol)
Der Zuckeraustauschstoff Xylit wirkt zusätzlich antibakteriell und ist daher vorteilhaft. Ätherische Öle werden vor allem in Naturkosmetika gerne eingesetzt. Ätherische Öle können zusätzlich einen medizinischen Nutzen haben, da viele eine entzündungshemmende Wirkung haben.
Sollten Sie wissen wollen, was sich in ihrer Zahnpasta versteckt, dann hilft der Incidecoder die Inhaltsstoffe zu entschlüsseln
Welche Zahnpasta bei empfindlichen Zähnen?
Bei schmerzempfindlichen Zähnen sind spezielle „Sensitiv“-Zahnpasten sinnvoll.
Sie wirken, indem sie:
- freiliegende Zahnhälse schützen
- Reize blockieren
- die Schmerzempfindlichkeit reduzieren
Wichtig ist eine regelmäßige Anwendung über mehrere Wochen.
Sind Whitening-Zahnpasten empfehlenswert?
Whitening-Zahnpasten entfernen oberflächliche Verfärbungen.
Sie können jedoch stärker abrasiv sein.
Für den täglichen Gebrauch sollten sie:
- nicht zu stark schleifend sein
- nicht dauerhaft übermäßig verwendet werden
Bei starken Verfärbungen ist eine professionelle Zahnreinigung oft schonender.
Zahnpasta für Kinder – worauf achten?
Bei Kindern ist die richtige Fluoridmenge entscheidend.
Kinderzahnpasten enthalten meist eine angepasste Dosierung.
Wichtig:
- altersgerechte Zahnpasta verwenden
- nur eine erbsengroße Menge nutzen
mehr zur Mundhygiene bei Kindern hier.
Braucht man Mundspülung zusätzlich?
Eine Zahnpasta ersetzt keine Zahnzwischenraumreinigung.
Mundspülungen können ergänzen, aber nicht die mechanische Reinigung ersetzen.
Die Basis bleibt:
- gründliches Zähneputzen
- tägliche Reinigung der Zahnzwischenräume
Welche Zahnpasta ist „die beste“?
Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht.
Die passende Zahnpasta hängt ab von:
- individuellem Kariesrisiko
- Zahnfleischgesundheit
- Empfindlichkeit der Zähne
- persönlichen Vorlieben
Im Zweifel kann eine zahnärztliche Beratung sinnvoll sein.
Häufige Fragen zur Zahnpasta
Ist fluoridfreie Zahnpasta ausreichend?
Für Personen mit niedrigem Kariesrisiko kann sie eine Option sein, Fluorid gilt jedoch als sehr gut erforschter Schutzfaktor.
Wie viel Zahnpasta sollte man verwenden?
Für Erwachsene reicht etwa eine erbsen- bis bohnengroße Menge.
Ist mehr Zahnpasta besser?
Nein. Die Reinigungswirkung hängt vor allem von der Putztechnik ab.
Fazit: Die richtige Zahnpasta unterstützt – ersetzt aber keine gute Putztechnik
Zahnpasta ist ein wichtiger Bestandteil der Mundhygiene.
Entscheidend ist jedoch vor allem:
- regelmäßiges Putzen
- sorgfältige Zahnzwischenraumreinigung
- regelmäßige Kontrollen
Die Wahl der Zahnpasta sollte zur individuellen Mundsituation passen.
- Pawinska M, Paszynska E, Amaechi BT, Meyer F, Enax J, Limeback H. Clinical evidence of caries prevention by hydroxyapatite: An updated systematic review and meta-analysis. J Dent. 2024 Dec;151:105429. doi: 10.1016/j.jdent.2024.105429. Epub 2024 Oct 28. PMID: 39471896. ↩︎
- Chatzidimitriou K, Theodorou K, Seremidi K, Kloukos D, Gizani S, Papaioannou W. The role of hydroxyapatite-based, fluoride-free toothpastes on the prevention and the remineralization of initial caries lesions: A systematic review and meta-analysis. J Dent. 2025 May;156:105691. doi: 10.1016/j.jdent.2025.105691. Epub 2025 Mar 17. PMID: 40107597. ↩︎