Zahnerosionen entstehen, wenn Säuren den Zahnschmelz angreifen und nach und nach auflösen.
Im Gegensatz zu Karies sind dabei keine Bakterien beteiligt.
Der Zahnschmelz wird durch chemische Prozesse abgebaut – meist schleichend und zunächst unbemerkt.
In diesem Artikel erfährst du:
- was Zahnerosionen genau sind
- wie sie entstehen
- woran man sie erkennt
- und wie man die Zähne wirksam schützt
Was sind Zahnerosionen?
Zahnerosionen sind nicht-bakterielle Schädigungen des Zahnschmelzes. Während bei Karies die Säure durch Bakterien gebildet werden kommt die Säure, die den Zahnschmelz angreift hier von extern.
Sie entstehen durch:
- Säuren aus Lebensmitteln
- säurehaltige Getränke
- Magensäure (z. B. bei Reflux)
Der Zahnschmelz verliert ab einem ph-Wert von 5 stetig Mineralien.
Ist er einmal abgebaut, kann er sich schwer vollständig regenerieren.
Wie entstehen Zahnerosionen?
1️⃣ Säurehaltige Ernährung
Häufige Auslöser sind:
- Softdrinks
- Energydrinks
- Fruchtsäfte
- Zitrusfrüchte
- Essigreiche Speisen
Auch „gesunde“ Getränke wie Smoothies können problematisch sein, wenn sie regelmäßig konsumiert werden.
Kritischer ph-Wert: Karies vs. dentale Erosion
Während es bei Karies einen definierten pH-Wert für den Abbau des Zahnschmelzes von pH 5,5 gibt, kann das Auftreten von Erosionen bei unterschiedlichen pH-Werten auftreten. Die kritische Schwelle ist hier auch durch die in dem erosivem Nahrungsmittel enthaltenen Mineralien bestimmt. Sie wird also dadurch bestimmt, wieviel gelöste Ionen (Kalzium, Phosphat, Fluorid) in der zu uns genommen Nahrung bereits vorhanden sind. Je mehr Ionen schon in der Nahrung sind, desto schwieriger lösen sich die Bestandteile des Zahnes, da eine Sättigungsschwelle bereits erreicht ist.
Unterschiede Karies vs. Erosion
| Karies | Dentale Erosion |
| Ursache ist der dentale Biofilm, die Plaque auf dem Zahn | Ursache ist die den Zahn umgebende Flüssigkeit |
| Plaque kann als zähflüssige Entität auf der Oberfläche angesehen werden | Die Viskosität von Nahrung, Getränken und Medikamenten ist sehr unterschiedlich |
| Die Zusammensetzung der Plaque ist relativ konstant, deshalb ist auch der kritische pH-Wer konstant | Die Zusammensetzung der den Zahn umgebenden Flüssigkeit schwankt je nach Getränk oder Speise, deshalb ist auch der kritische pH-Wert variabel |
| Berechneter kritischer pH-Wert für Schmelz-Demineralisation für alle Substanzen: 5,5 Dentin: ca. 6,5 | Berechneter kritischer pH-Wert für Schmelz-Demineralisation an Bsp: Eistee: ca. 6,4 Joguhrt: ca. 4 |
| Bei einem PH-Wert von 5,5, beginnt der Zahnschmelz sich aufzulösen. Der kritische PH-Wert hängt hierbei von den Kalzium und Phosphat-Ionen in der Plaque ab und ist Nahrungsmittelunabhängig | Bei einem errechneten pH-Wert von 6,4 wirkt Eistee aufgrund der kaum vorhandenen Ionen bereits Schmelz-Auflösend. Weil der tatsächliche pH-Wert von Eistee bei 3 liegt wirkt dieser erosiv und löst die Zahnsubstanz. Joghurt enthält neben den Milchsäuren viel Kalzium, was den kritischen pH-Wert auf einen Wert von 4 bringt. Der tatsächliche Wert liegt ebenfalls bei 4, weshalb Joghurt nicht erosiv wirkt. |
Den Effekt der „Sättigung“ kann man sich zunutze machen, in dem man potentiell erosive Stoffe (z.B. Apfelsaft) mit Flüssigkeiten mischt, die viele Ionen enthalten (z.B. kalziumreiches Mineralwasser)
2️⃣ Magensäure (intrinsische Säure)
Bei:
- Reflux
- häufigem Erbrechen
- Essstörungen
kann Magensäure in den Mundraum gelangen und den Zahnschmelz angreifen. Der PH-Wert der Magensäure liegt nüchtern bei 1,0-1,5. Weit fortgeschrittene Erosionen können so auch ein Indikator für eine Reflux-Problematik oder für eine Bulimie sein.
Woran erkennt man Zahnerosionen?
Anfangs verursachen sie meist keine Schmerzen.
Typische Anzeichen:
- erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Kälte oder Süßem
- glatte, glänzende Zahnoberflächen
- abgeflachte Zahnkanten
- Transparenz an Schneidezähnen
- gelblicher Farbton (Dentin schimmert durch)
Im fortgeschrittenen Stadium kann es zu deutlichem Substanzverlust kommen.

Unterschied zwischen Karies und Erosion
| Merkmal | Karies | Zahnerosion |
|---|---|---|
| Ursache | Bakterien | Säure |
| Beläge beteiligt | Ja | Nein |
| Lokalisation | Oft punktuell | Häufig flächig |
| Prävention | Mundhygiene + Fluorid | Säurereduktion + Schutz |
Beide Erkrankungen können gleichzeitig auftreten.
Wer hat ein erhöhtes Risiko?
- Menschen mit häufigem Softdrink-Konsum
- Personen mit Reflux
- Sportler mit isotonischen Getränken
- Menschen mit Essstörungen
- Personen mit häufigem Fruchtsaftkonsum
Ebenso können scheinbar gesunde Ernährungsgewohnheiten bei hoher Frequenz problematisch sein.
Wie kann man Zahnerosionen vorbeugen?
✔ Säurekontakt reduzieren
- Saure Getränke nicht dauerhaft nippen
- Besser zu Mahlzeiten konsumieren
- Wasser nachspülen
✔ Abstand zwischen Säure und Zähneputzen ?
Tatsächlich dauert es Tage bis Wochen, bis erosiv veränderter Zahnschmelz seine ursprünglich Härte wieder erreicht hat. ZWar enthält Speichel viele Mineralien, die eine Härtung des Zahnschmelzes fördern, aber auch Proteine, die eine sofortige Härtung verlangsamen. Versuche, die eine Härtung des Zahnschmelzes im Labor gezeigt haben wurden mit künstlichem Speichel durchgeführt, der diese Proteine nicht enthält. Deshalb ist die klare Empfehlung sofort nach erosive Mahlzeiten die Zähne zu putzen1
✔ Zahnschmelz stärken
- fluoridhaltige Zahnpasta verwenden
- spezielle Zahnpasta für empfindliche Zähne
- professionelle Fluoridierung beim Zahnarzt
✔ Speichelfluss fördern
Speichel neutralisiert Säuren.
Hilfreich:
- Zuckerfreier Kaugummi
- Ausreichend trinken
Können sich Zahnerosionen zurückbilden?
Einmal verlorener Zahnschmelz wächst nicht nach.
Früh erkannt, kann der Prozess jedoch gestoppt oder verlangsamt werden.
Regelmäßige zahnärztliche Kontrollen sind entscheidend.
Behandlung von Zahnerosionen
Je nach Ausmaß:
- Fluoridbehandlungen
- Versiegelungen
- Füllungen
- ästhetische Rekonstruktionen
Das Ziel ist:
- Schutz der Restsubstanz
- Reduktion der Empfindlichkeit
- Stabilisierung der Zahnstruktur
Fazit: Früh erkennen, langfristig schützen
Zahnerosionen entstehen schleichend – oft ohne Schmerzen.
Eine bewusste Ernährung, angepasstes Putzverhalten und regelmäßige Kontrollen helfen, den Zahnschmelz langfristig zu schützen.
