
Ein trockener Mund ist mehr als nur ein unangenehmes Gefühl. Wenn die Speichelproduktion dauerhaft reduziert ist, spricht man von Mundtrockenheit (Xerostomie). Sie kann die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen – vom Sprechen bis zum Essen – und das Risiko für Karies und Zahnfleischerkrankungen erhöhen.
In diesem Artikel erfahren Sie:
- Welche Ursachen Mundtrockenheit hat
- Welche Symptome typisch sind
- Welche Risiken bestehen
- Wie sich der Speichelfluss anregen lässt
- Wann ärztliche Abklärung sinnvoll ist
Was ist Mundtrockenheit (Xerostomie)?
Mundtrockenheit beschreibt das subjektive Gefühl eines trockenen Mundraums. Medizinisch unterscheidet man zwischen:
- Xerostomie: Gefühl eines trockenen Mundes
- Hyposalivation: Objektiv messbar verminderte Speichelproduktion
Speichel erfüllt wichtige Funktionen:
- Schutz der Mundschleimhaut
- Remineralisierung der Zähne
- Neutralisation von Säuren
- Unterstützung beim Schlucken und Sprechen
- Antibakterielle Wirkung
Fehlt Speichel, gerät das natürliche Gleichgewicht im Mund aus der Balance.
Ursachen von Mundtrockenheit
Die Ursachen für einen trockenen Mund sind vielfältig. Häufig wirken mehrere Faktoren zusammen.
1. Medikamente (häufigste Ursache)
Über 400 Medikamente können Mundtrockenheit auslösen, darunter:
- Antidepressiva
- Blutdrucksenker
- Antihistaminika
- Beruhigungsmittel
- Diuretika
Gerade ältere Menschen sind betroffen, da sie häufig mehrere Medikamente gleichzeitig einnehmen.
2. Erkrankungen
Bestimmte Erkrankungen können die Speicheldrüsenfunktion beeinträchtigen:
- Diabetes mellitus
- Autoimmunerkrankungen (z. B. Sjögren-Syndrom)
- Parkinson
- Depression
- Schilddrüsenerkrankungen
Auch eine Strahlen- oder Chemotherapie im Kopf-Hals-Bereich kann die Speicheldrüsen dauerhaft schädigen. Dies führt dann zu einer verminderten Speichelproduktion.
3. Lebensstil & äußere Faktoren
- Flüssigkeitsmangel (Dehydration)
- Stress: Ein trockener Mund (Xerostomie) ist oft eine Folge von Stress, Angst oder psychischen Belastungen, da das Stresshormon Cortisol die Speichelproduktion hemmt und das sympathische Nervensystem aktiviert wird, was zu verminderter Speichelmenge führt. Stress, Nervosität, aber auch Depressionen oder Panikattacken können Mundtrockenheit auslösen, die oft mit Herzrasen einhergeht.
- Rauchen: Rauchen reduziert die Mikrozirkulation, was auf Dauer nicht nur auf das Zahnfleisch Auswirkungen hat, sondern auch die Speicheldrüsen in ihrer Funktion reduziert.
- Alkohol
- Mundatmung (z. B. nachts): Hierbei trocknen die Schleimhäute aufgrund des Luftstroms aus.
Gerade nächtliche Mundtrockenheit entsteht häufig durch Mundatmung oder Schnarchen.
Symptome bei Mundtrockenheit
Typische Anzeichen sind:
- Trockenes, klebriges Gefühl im Mund
- Brennen der Zunge (Zungenbrennen)
- Schwierigkeiten beim Sprechen oder Schlucken
- Geschmacksveränderungen
- Rissige Lippen
- Mundgeruch
- Häufige Karies oder Zahnfleischentzündungen
- Schwierigkeiten beim Tragen einer Prothese (Druckstellen und unsicherer Halt)
Bleibt die Mundtrockenheit unbehandelt, steigt das Risiko für:
- Karies
- Parodontitis
- Pilzinfektionen (z. B. Mundsoor)
- Schleimhautentzündungen
Diagnose: Wann sollte man zum Arzt oder Zahnarzt?
Eine gelegentliche Mundtrockenheit ist meist harmlos. Hält sie jedoch länger an oder treten zusätzliche Beschwerden auf, sollte eine Abklärung erfolgen.
Der Zahnarzt kann:

- Speichelmenge messen: Hierfür wird über einen definierten Zeitraum (meist 5 Minuten) der Speichel gesammelt. Der in einem Gefäß gesammelte Speichel kann entweder über Abwiegen oder über eine Skala gemessen werden und es wird die Fließrate in ml/Minute bestimmt.
- Schleimhautveränderungen beurteilen
- Kariesrisiko einschätzen
- ph-Wert und Pufferkapazität des Speichels bestimmen
Speichelfießrate bestimmt:
| sehr niedrig | niedrig | normal | |
| Unstimulierter Speichel | <0,1 ml/min | 0,1-0,25 ml/min | 0,25-0,35 ml/min |
| Stimulierter Speichel | <0,7 ml/min | 0,7-0,9 ml/min | 1-3 ml/min |
Bei Verdacht auf systemische Ursachen erfolgt ggf. eine internistische Abklärung.
Behandlung: Was hilft gegen Mundtrockenheit?
Die Therapie richtet sich nach der Ursache. Oft helfen bereits einfache Maßnahmen.
| Erfolgt durch den Zahnarzt | Erfolgt durch den Patienten | |
| Behandlung der Ursache Behandlung der Grunderkrankung Umstellung der Medikamente | Vermeidung von Folgeschäden Intensive Prophylaxe beim Zahnarzt (professionelle Zahnreinigung und Fluoridierung) | Anwendung der ärztlichen und zahnärztlichen Therapieempfehlung |
| Speichelstimulation Mechanische Stimulation (Kauen/Massage) Gustatorische Stimulation (Saurer Geschmack) Elektronische Stimulation (Stimulationselektrode) Medikamentös (Sialogoga) Akupunktur | Engmaschige Kontrolle Anfertigung einer Fluoridierungsschiene Ggf. Ernährungsberatung | Zusätzliche Maßnahmen: 1. Flüssigkeitszufuhr erhöhen 2. Verzicht auf Nikotin, Alkohol und Koffein 3. Mundatmung vermeiden oder behandeln |
| Symptomatische Behandlung Zahnfreundliche Speichelersatzmittel Ggf. geeignete Hausmittel |
1. Speichelfluss anregen
- Viel Wasser trinken (1,5–2 Liter täglich)
- Zuckerfreie Kaugummis kauen
- Zuckerfreie Bonbons lutschen
- Zitronenwasser in kleinen Mengen
2. kausale Therapie
Im Idealfall kann die Ursache der Mundtrockenheit gefunden und kurativ (also heilend) behandelt werden. Hierfür bedarf es oft einer sorgsamen Untersuchung eines Haus- oder Zahnarztes mit Abklärung der Medikamente und einer Anamnese zum Ausschluss zugrunde liegender Krankheiten.
Eine Überprüfung der Medikation und ggf. eine Umstellung oder Reduktion der Medikamente kann z.B. bei medikamentös bedingter Hyposalivation eine Verbesserung der Beschwerden bringen.
3. Speichelersatzprodukte
In der Apotheke erhältlich:
- Speichelersatzsprays
- Befeuchtungsgels
- Mundspüllösungen speziell für Xerostomie
Diese lindern Beschwerden, ersetzen jedoch nicht die natürliche Speichelfunktion vollständig.
4. Mundhygiene anpassen
- Fluoridhaltige Zahnpasta verwenden
- Regelmäßige professionelle Zahnreinigung
- Alkoholhaltige Mundspülungen vermeiden
Eine intensive Zahnpflege ist entscheidend, da der natürliche Schutz durch Speichel reduziert ist.
Mundtrockenheit nachts – was tun?
Wenn der Mund vor allem nachts trocken ist:
- Luftbefeuchter im Schlafzimmer nutzen
- Seitenschlafposition testen
- Nasenatmung fördern
- Bei starkem Schnarchen ärztlich abklären lassen
Prävention: Wie lässt sich Mundtrockenheit vorbeugen?
- Ausreichend trinken
- Alkohol & Nikotin reduzieren
- Regelmäßige zahnärztliche Kontrollen
- Medikamente mit Arzt prüfen, falls Nebenwirkungen auftreten
FAQ – Häufige Fragen zur Mundtrockenheit
Was verursacht Mundtrockenheit am häufigsten?
Am häufigsten sind Medikamente die Ursache, insbesondere bei älteren Menschen mit Mehrfachmedikation.
Ist Mundtrockenheit gefährlich?
Kurzzeitig meist harmlos. Chronisch kann sie jedoch das Risiko für Karies, Entzündungen und Pilzinfektionen erhöhen.
Kann Stress Mundtrockenheit auslösen?
Ja. Stress aktiviert das sympathische Nervensystem, wodurch die Speichelproduktion reduziert werden kann.
Welche Hausmittel helfen gegen trockenen Mund?
Viel trinken, zuckerfreie Kaugummis, Luftbefeuchter und regelmäßige Mundpflege können helfen.
Wann sollte man bei Mundtrockenheit zum Arzt?
Wenn die Beschwerden länger als einige Wochen bestehen oder weitere Symptome auftreten (z. B. Schluckbeschwerden, starke Schmerzen, Gewichtsverlust).
Letzte Aktualisierung:
18.02.2026
Redaktion / medizinischer Hinweis:
Die Inhalte dienen der Information und ersetzen keine ärztliche Beratung.