Karies ist eine der häufigsten Erkrankungen weltweit – und dennoch bestehen viele Missverständnisse darüber.
Oft wird Karies erst bemerkt, wenn Schmerzen auftreten. Dabei beginnt sie lange vorher und kann in frühen Stadien sogar gestoppt werden.
In diesem Artikel erfährst du:
- wie Karies entsteht
- welche Stadien es gibt
- ob und wann Karies heilbar ist
- was wirklich vor Karies schützt
- und wann eine Behandlung notwendig ist
Was ist Karies?
Karies ist eine Erkrankung der Zahnsubstanz, bei der Zahnschmelz und später auch das Zahnbein (Dentin) durch Säuren geschädigt werden.
Diese Säuren entstehen, wenn Bakterien Zucker abbauen.
👉 Wichtig zu wissen:
Karies entsteht nicht plötzlich, sondern entwickelt sich schrittweise über Wochen, Monate oder sogar Jahre.
Wie entsteht Karies? (einfach erklärt)
Im Mund leben viele Bakterien – die meisten davon sind harmlos.
Problematisch wird es, wenn bestimmte Bakterien regelmäßig Zucker aus der Nahrung bekommen.
Der Ablauf sieht vereinfacht so aus:
- Zuckerhaltige Nahrung bleibt an den Zähnen haften
- Bakterien wandeln Zucker in Säuren um
- Die Säuren greifen den Zahnschmelz an
- Mineralien werden aus dem Zahn gelöst (Demineralisation)
- Wird dies nicht ausgeglichen, entsteht Karies
Speichel, Mineralstoffe und Zahnpflege können diesen Prozess ausgleichen – aber nur bis zu einem gewissen Punkt.
Wer viel zuckerhaltige Lebensmittel ist und trinkt erhöht durch sein Risiko einer Karies zu bekommen, da die Bakterien den Zucker direkt als Nahrung verwenden und dadurch vermehrt Säuren produzieren können.

Welche Stadien der Karies gibt es?
1) Initialkaries (Frühstadium)
Dort wo die bakteriellen Beläge (Plaque) sich am Zahn anhaften beginnen die karies-aktiven Bakterien einfache Zucker aus der Nahrung in Milchsäure umzuwandeln. Es bilden sich weißliche Entkalkungen an der Zahnoberfläche (White spots). Zahnschmelz besteht aus dichtgepackten Kristallen, die durch die Säureauswirkung an Volumen verlieren. Hierdurch wird die Oberfläche, ähnlich wie zerkratztes Glas, milchig und poröser.
👉 Gute Nachricht:
In diesem Stadium kann Karies gestoppt oder sogar rückgängig gemacht werden.
2) Schmelzkaries
Bleibt die Säureeinwirkung bestehen, dann kann sich der bakterielle Eingriff entlang der Kristalle in die Tiefe des Zahnschmelzes fortsetzen. Die Oberfläche bleibt hierbei häufig noch intakt, weshalb noch wenige bis keine Bakterien in den Zahn selbst eindringen können. Bis zu diesem Stadium können ausreichende häusliche Hygiene und eine verbesserte Ernährung das Fortschreiten noch aufhalten und in manchen Fällen sogar eine Verbesserung erzielen.
3) Dentinkaries
Hier ist die Karies schon in die innere Zahnhartsubstanz vorgedrungen. Die Oberfläche ist aufgrund der Aufweichung oft schon defekt und erste Bakterien dringen in den Zahn ein. Da das Zahnbein (Dentin) auch Proteine enthält können die Bakterien selbst bei ausbleiben von Zucker als Nahrung überleben. Ein voranschreiten der Karies ist hier nur noch über einen Eingriff beim Zahnarzt zu verhindern.
4) Karies bis zur Pulpa
Mit der Vergrößerung des Defektes finden die Bakterien auch langsam ihren Weg zum Zahnnerv (Pulpa). Dieses in der Mitte des Zahnes gelegene Geflecht aus Nerven, Blutgefäßen und Bindegewebe reagiert empfindlich auf bakterielle Angriffe. Hier treten meist zum ersten Mal überhaupt Schmerzen auf. Wird die Menge an Bakterien, die es in den Nerv geschafft haben zu groß ist eine Wurzelbehandlung zur Entfernung der Infektion notwendig.
5) Fortgeschrittene Karies mit apikalen Entzündungen
Die letzte Stufe geht mit einem großen Verlust von Zahnhartsubstanz einher. Oftmals verschwinden die Schmerzen plötzlich wieder. Dies liegt daran, dass das komplette Nerv-Gefäß-Bündel abstirbt und somit auch keine Nervschmerzen im Zahn mehr entstehen können.
Auch hier ist ohne eine Wurzelbehandlung zur Entfernung des erkrankten Gewebes sowie der Bakterien kein Zahnerhalt mehr möglich, da die Infektion sonst über die Wurzelkanäle in den Knochen eindringen kann.
Ist der Verlust der Substanz zu groß oder die Infektion zu weit fortgeschritten, dann kann im schlimmsten Fall eine Entfernung des Zahnes notwendig sind.
Woran erkennt man Karies?
Mögliche Anzeichen sind:
- weiße oder braune Flecken auf den Zähnen
- Empfindlichkeit bei süßen, kalten oder heißen Speisen
- Schmerzen beim Kauen
- sichtbare Löcher im Zahn
👉 Viele Menschen haben keine frühen Symptome – deshalb sind regelmäßige Zahnarztkontrollen so wichtig.
Ist bereits das Zahnbein von der Karies betroffen, entstehen dunkle Löcher und der Zahn schmerzt. Er reagiert dann empfindlich auf Heißes, Kaltes und Süßes. Hat die Infektion das Zahnmark erreicht, spüren Patienten meist einen starken dauerhaften Schmerz. Hört dieser Schmerz auf, kann das ein Zeichen dafür sein, dass der Zahnnerv dauerhaft geschädigt ist.
Ist Karies ansteckend?
Die Bakterien, die Karies verursachen, können übertragen werden (z. B. durch Speichelkontakt).
Ob tatsächlich Karies entsteht, hängt jedoch stark ab von:
- Mundhygiene
- Ernährung
- Speichelmenge
- Zahnpflege
Karies ist also keine klassische ansteckende Krankheit, sondern ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren.
Was erhöht das Kariesrisiko?
Es gibt verschiedene Faktoren, die das Kariesrisiko erhöhen. Einer der entscheidendsten ist eine mangelhafte Mundhygiene – zum Beispiel wenn die Zahnzwischenräume nicht gereinigt werden. Denn dadurch haben die Bakterien genügend Zeit, Kohlenhydrate aus Lebensmitteln zu Säuren zu vergären, die dem Zahnschmelz Mineralien entziehen und die Zahnhartsubstanz auflösen.
Ein weiterer Risikofaktor ist eine zucker- und kohlenhydratreiche Ernährung. Denn je mehr Zucker und Kohlenhydrate Kariesbakterien zur Verfügung gestellt bekommen, desto mehr schädigende Säuren können sie produzieren.
Auch ein zu geringer Speichelfluss erhöht das Risiko für Karies. Denn der Speichel in unserem Mund neutralisiert Säuren und versorgt den Zahnschmelz mit Mineralstoffen. Zudem spült der Speichel Bakterien von der Zahnoberfläche. Ist zu wenig Speichel vorhanden, fehlt diese schützende Funktion.
Manche Menschen sind zudem anfälliger für Karies als andere. Das liegt am individuell unterschiedlichen pH-Wert, also Säuregrad des Speichels. Je niedriger der pH-Wert ist, desto gefährlicher sind die Säureangriffe für die Zähne.
Was schützt vor Karies?
Zähne putzen mindesten 2× täglich – aber richtig!
Nicht schrubben wie verrückt – sondern in sanften, kreisenden Bewegungen.
Und das Wichtigste: 2 Minuten mit fluoridhaltiger Zahnpasta.
Zahnpflege mit schützenden Wirkstoffen
- Fluorid stärkt den Zahnschmelz und macht ihn widerstandsfähiger
- Hydroxylapatit kann kleine Defekte auffüllen und die Oberfläche glätten
Welche Zahnpasta sinnvoll ist, hängt vom individuellen Kariesrisiko ab.
Zucker? Ja. Aber mit Pause.
Es geht nicht darum, Zucker zu verbieten – sondern ihn zu bündeln.
Lieber ein Mal Schokolade nach dem Mittagessen, als über den Tag verteilt.
Stichwort: Zuckerpause. Der Speichel braucht Zeit zur Reparatur.
Die unsichtbare Gefahr: Fruchtsäfte & Quetschies.
Sie wirken gesund – sind aber pH-Killer für Milchzähne.
Wasser ist der beste Freund jedes Kinderzahns. Punkt.
Ernährung = Zahnbürste von innen
Knackiges Gemüse wie Karotten oder Paprika wirkt wie eine Mini-Zahnbürste.
Kalziumreiches Essen (Milch, Käse, Joghurt) stärkt den Zahnschmelz.
Was im Bauch landet, sieht man später im Mund.
Zahnarzt als Freund, nicht Angstfigur.
Frühzeitige, positive Zahnarztbesuche nehmen Kindern die Angst.
Prophylaxe, Kontrolle, kindgerechte Aufklärung – das alles hilft, bevor’s bohrt.
Kann man Karies stoppen oder heilen?
👉 Frühstadien ja – fortgeschrittene Karies nein.
- Initialkaries kann durch Remineralisierung gestoppt werden
- Bereits entstandene Löcher können sich nicht selbst schließen
Deshalb ist frühes Handeln entscheidend.
Häufige Fragen zu Karies
Tut Karies immer weh?
Nein. Besonders frühe Stadien verlaufen oft schmerzfrei.
Kann Karies von allein verschwinden?
Nein. Nur sehr frühe Stadien können gestoppt werden, nicht aber echte Löcher.
Ist Karies ein Zeichen schlechter Zahnpflege?
Nicht zwangsläufig. Auch Ernährung, Speichel und genetische Faktoren spielen eine Rolle.
Hilft Mundspülung gegen Karies?
Mundspülungen können unterstützen, ersetzen aber keine mechanische Reinigung.
Fazit: Karies ist vermeidbar – mit Wissen und Routine
Karies entsteht schleichend, ist aber kein unvermeidliches Schicksal.
Mit guter Mundhygiene, bewusster Ernährung und regelmäßigen Kontrollen lässt sich das Risiko deutlich senken.
Je früher Karies erkannt wird, desto einfacher und schonender ist die Behandlung.
Letzte Aktualisierung:
04.02.2026
Hinweis
Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine zahnärztliche Beratung.