Bisphosphonate sind wichtige Medikamente zur Behandlung von Osteoporose und bestimmten Krebserkrankungen. Sie stärken die Knochen und können Knochenbrüche verhindern. Gleichzeitig können sie jedoch in seltenen Fällen eine schwerwiegende Nebenwirkung verursachen: die sogenannte bisphosphonat-assoziierte Kiefernekrose (medikamentenassoziierte Kiefernekrose, kurz MRONJ).
Für Patienten, die Bisphosphonate einnehmen oder eine Therapie planen, ist es besonders wichtig, die Auswirkungen auf die Mundgesundheit zu kennen. Denn Zahnbehandlungen, Entzündungen oder schlecht sitzender Zahnersatz können das Risiko erhöhen.
Dieser Artikel erklärt verständlich:
- was Bisphosphonate sind
- warum sie den Kiefer beeinflussen können
- wie eine Kiefernekrose entsteht
- welche Symptome auftreten
- wie man vorbeugen kann
Was sind Bisphosphonate?
Bisphosphonate sind Medikamente, die den Knochenabbau verlangsamen. Sie werden häufig eingesetzt bei:
- Osteoporose
- Knochenmetastasen bei Krebs
- Multiples Myelom
- Morbus Paget
- starkem Knochenabbau durch Tumorerkrankungen
Sie wirken, indem sie sogenannte Osteoklasten hemmen – Zellen, die Knochen abbauen. Dadurch wird der Knochen stabiler und bruchfester.

Typische Wirkstoffe sind:
- Alendronat
- Risedronat
- Ibandronat
- Zoledronat
- Pamidronat
Diese Medikamente können als:
- Tabletten
- Infusionen
- Injektionen
verabreicht werden.
Nebenwirkung der Bisphosphonate. Warum können Sie den Kiefer schädigen?
Der Kieferknochen ist ein besonders aktiver Knochen. Er wird ständig umgebaut – zum Beispiel durch:
- Kaubelastung
- Zahnbewegungen
- Entzündungen
- Zahnbehandlungen
Bisphosphonate reduzieren genau diesen Knochenumbau. Das ist therapeutisch gewünscht, kann aber problematisch werden, wenn:
- eine Wunde im Knochen entsteht
- eine Entzündung vorliegt
- der Knochen schlecht durchblutet ist
Dann kann sich der Knochen nicht ausreichend regenerieren.
Im schlimmsten Fall entsteht eine:
bisphosphonat-assoziierte Kiefernekrose
Das bedeutet:
Ein Teil des Kieferknochens stirbt ab und heilt nicht mehr.
Was ist eine bisphosphonat-assoziierte Kiefernekrose?
Die medizinische Bezeichnung lautet:
MRONJ – Medication-Related Osteonecrosis of the Jaw
Dabei handelt es sich um eine:
- chronische Knochenentzündung
- mit freiliegendem, abgestorbenem Knochen
- die länger als 8 Wochen besteht
Typischerweise tritt sie nach:
- Zahnextraktionen
- Implantationen
- Entzündungen im Kiefer
- Druckstellen durch Prothesen
auf.
Wie häufig ist eine Kiefernekrose durch Bisphosphonate?
Die gute Nachricht:
Die Erkrankung ist selten.
Das Risiko hängt stark von der Art der Therapie ab.
Risiko bei Tabletten (z. B. Osteoporose)
ca.
0,01 bis 0,1 %
Risiko bei Infusionen (z. B. Krebsbehandlung)
ca.
1 bis 10 %
Besonders erhöht ist das Risiko bei:
- langfristiger Therapie
- hohen Medikamentendosen
- Krebsbehandlung
- schlechter Mundhygiene
- Parodontitis
- Rauchen
- Diabetes
Symptome einer bisphosphonat-assoziierten Kiefernekrose
Eine Kiefernekrose entwickelt sich oft schleichend.
Typische Symptome sind:
- Schmerzen im Kiefer
- freiliegender Knochen im Mund
- Schwellung des Zahnfleisches
- Eiterbildung
- lockere Zähne
- Mundgeruch
- schlechte Wundheilung
- Taubheitsgefühl im Kiefer
Manchmal treten zunächst nur leichte Beschwerden auf.
Deshalb ist eine frühzeitige Diagnose entscheidend.
Wann besteht ein besonders hohes Risiko?
Das Risiko steigt deutlich bei:
Zahnextraktionen
Das Entfernen eines Zahnes ist der häufigste Auslöser.
Zahnimplantaten
Vor allem bei Patienten mit hochdosierter Therapie.
Parodontitis
Chronische Entzündungen erhöhen das Risiko erheblich.
Druckstellen durch Zahnersatz
Zum Beispiel:
- schlecht sitzende Prothesen
- scharfe Kanten
- Dauerbelastung des Zahnfleisches
Wie wird eine Kiefernekrose diagnostiziert?
Die Diagnose erfolgt durch:
- klinische Untersuchung
- Röntgenbild
- gegebenenfalls 3D-Bildgebung (DVT)
Typisches Zeichen:
Freiliegender Knochen, der länger als:
8 Wochen
nicht abheilt.
Behandlung der bisphosphonat-assoziierten Kiefernekrose
Die Therapie hängt vom Stadium ab.
Frühstadium
- antiseptische Mundspülungen
- Antibiotika
- regelmäßige Kontrollen
Fortgeschrittenes Stadium
- chirurgische Entfernung abgestorbenen Knochens
- Schmerztherapie
- Infektionskontrolle
Ziel ist:
- Entzündung stoppen
- Schmerzen reduzieren
- Lebensqualität verbessern
Eine vollständige Heilung ist möglich, aber nicht immer einfach.
Wie können Patienten einer Kiefernekrose vorbeugen?
Prävention ist der wichtigste Faktor.
Besonders vor Beginn einer Bisphosphonat-Therapie sollte eine zahnärztliche Untersuchung erfolgen.
Wichtige Maßnahmen vor Therapiebeginn
- vollständige Zahnsanierung
- Entfernung nicht erhaltungswürdiger Zähne
- Behandlung von Parodontitis
- Anpassung von Zahnersatz
- professionelle Zahnreinigung
Während der Therapie
Empfohlen werden:
- sehr gute Mundhygiene
- regelmäßige Zahnarztkontrollen
- frühzeitige Behandlung von Entzündungen
- Vermeidung unnötiger chirurgischer Eingriffe
Wichtig für Patienten
Informieren Sie Ihren Zahnarzt immer über:
- aktuelle oder frühere Bisphosphonat-Therapie
- Krebsbehandlung
- Osteoporosemedikamente
Das gilt auch, wenn die Einnahme bereits beendet wurde.
Denn:
Bisphosphonate können jahrelang im Knochen verbleiben.
Rolle des Zahnarztes bei Bisphosphonat-Therapie
Die Zusammenarbeit zwischen:
- Zahnarzt
- Hausarzt
- Onkologe
- Orthopäde
ist entscheidend.
Der Zahnarzt übernimmt dabei eine wichtige Rolle bei:
- Risikoabschätzung
- Vorsorge
- Früherkennung
- Behandlung
Fazit: Bisphosphonate sind wichtig – aber Aufmerksamkeit im Mundraum ist entscheidend
Bisphosphonate sind sehr wirksame Medikamente zur Stabilisierung der Knochen und zur Behandlung schwerer Erkrankungen. Die gefürchtete bisphosphonat-assoziierte Kiefernekrose ist selten, kann aber schwer verlaufen.
Die beste Strategie ist:
Vorbeugung, Aufklärung und regelmäßige zahnärztliche Kontrolle.
Wer frühzeitig handelt, kann das Risiko deutlich reduzieren.
FAQ: Bisphosphonate und Kiefernekrose
Was sind Bisphosphonate einfach erklärt?
Bisphosphonate sind Medikamente, die den Knochenabbau verlangsamen und die Knochen stabilisieren. Sie werden vor allem bei Osteoporose und Krebs eingesetzt.
Wie hoch ist das Risiko für eine Kiefernekrose?
Bei Osteoporose-Tabletten ist das Risiko sehr gering:
etwa
1 von 1.000 bis 10.000 Patienten
Bei hochdosierter Krebstherapie ist das Risiko deutlich höher.
Muss ich vor einer Zahnbehandlung Bisphosphonate absetzen?
Nicht unbedingt.
Das entscheidet immer der behandelnde Arzt. Ein eigenständiges Absetzen kann gefährlich sein.
Darf man mit Bisphosphonaten Implantate bekommen?
Das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei niedrig dosierter Therapie ist es oft möglich. Bei hochdosierter Therapie kann das Risiko erhöht sein.
Eine sorgfältige Risikoabwägung ist notwendig.
Wie lange bleiben Bisphosphonate im Körper?
Sehr lange.
Sie können:
bis zu 10 Jahre
im Knochen gespeichert bleiben.
Was soll ich tun, wenn ich Bisphosphonate nehme und Zahnschmerzen bekomme?
Dann sollten Sie:
so schnell wie möglich zum Zahnarzt gehen
Frühe Behandlung reduziert das Risiko für Komplikationen erheblich.