Zahnfleischbluten – Ursachen, Warnsignale & was wirklich hilft

Zahnfleischbluten ist ein häufiges Problem und gehört zu den meistgesuchten Symptomen im Bereich Mundgesundheit. Ob beim Zähneputzen, beim Kauen oder spontan: Wenn das Zahnfleisch blutet, ist das kein harmloses Zeichen, sondern ein Hinweis auf eine Störung der Mundgesundheit.

In vielen Fällen lässt sich Zahnfleischbluten gut behandeln – vorausgesetzt, die Ursache wird rechtzeitig erkannt.


Was ist Zahnfleischbluten?

Gesundes Zahnfleisch ist:

  • hellrosa
  • fest
  • schmerzfrei
  • blutet nicht

Tritt Zahnfleischbluten regelmäßig auf, liegt meist eine Entzündung oder Reizung des Zahnfleisches vor. Bleibt diese unbehandelt, kann sie sich ausweiten und langfristig zu Zahnschäden führen.


Ursachen für Zahnfleischbluten

  • Mangelnde Mundhygiene (Gingivitis)
  • Parodontitis
  • Körperliche Krankheiten
  • Hormonelle Einflüsse
  • Vitaminmangel
  • Die Einnahme von Medikamenten

Zahnfleischentzündung (Gingivitis) – häufigste Ursache

Die Gingivitis ist der mit Abstand häufigste Grund für Zahnfleischbluten.
Sie entsteht durch bakterielle Zahnbeläge (Plaque), die sich vor allem am Zahnfleischrand ansammeln.

Bakterien im Ungleichgewicht

Bakterien im Mund sind normal. Hunderte verschiedene Bakterienarten bilden die Mundflora. Die Zusammensetzung variiert von Mensch zu Mensch. Durch richtige Ernährung und richtige Zahnpflege bleibt diese Mundflora in einem gesunden Gleichgewicht. Durch die falsche Mundhygiene und eine ungesunde Ernährung können sich schädliche Bakterien übermäßig vermehren. Besonders in Zwischenräumen und auch an den hinteren Backenzähnen finden sich solche Nischen, in denen Bakterien sich gut festsetzen können.

Die von den Bakterien produzierten Abfall- und Giftstoffe können das Zahnfleisch dann reizen und entzünden.

Typische Symptome:

  • Rötung und Schwellung des Zahnfleischs
  • Blutung beim Zähneputzen oder bei Berührung
  • Druckempfindlichkeit
  • Mundgeruch

Wird eine Gingivitis nicht behandelt, kann sie sich zu einer Parodontitis entwickeln – einer chronischen Entzündung des Zahnhalteapparates mit Knochenabbau und möglichem Zahnverlust.


Parodontitis – ernsthafte Folge unbehandelter Entzündungen

Bei der Parodontitis breiten sich Bakterien unter das Zahnfleisch aus.
Das Zahnfleisch zieht sich zurück, Zahnhälse liegen frei und der Kieferknochen wird abgebaut.

Warnzeichen:

  • Häufiges oder starkes Zahnfleischbluten
  • Rückgang des Zahnfleisches
  • Lockerung der Zähne
  • Anhaltender Mundgeruch

➡️ Parodontitis ist nicht heilbar, aber gut behandelbar – je früher, desto besser.


Allgemeine Erkrankungen

Blut- und Gerinnungserkrankungen 🩸

  • Thrombozytopenie (zu wenige Blutplättchen)
  • Leukämie (frühes Leitsymptom!)
  • Hämophilie
  • Von-Willebrand-Syndrom

Infektiöse Erkrankungen 🦠

  • Bakterielle Infektionen (z. B. nekrotisierende Gingivitis)
  • Viruserkrankungen
    • Herpes-simplex-Infektion
    • HIV (frühes Warnsymptom möglich)
  • Pilzinfektionen (z. B. orale Candidose)

Falsche oder unzureichende Mundhygiene

Zahnfleischbluten kann sowohl durch mangelnde als auch durch falsche Zahnpflege entstehen.

Häufige Fehler:

  • Zu seltenes Zähneputzen
  • Keine Reinigung der Zahnzwischenräume
  • Zu harter Druck beim Putzen
  • Harte Zahnbürsten

Das Zahnfleisch wird dadurch dauerhaft gereizt und entzündet sich leichter.


Hormonelle Veränderungen

Hormonelle Schwankungen beeinflussen die Durchblutung und Abwehrkräfte des Zahnfleisches.

Besonders betroffen sind:

  • Schwangere („Schwangerschaftsgingivitis“)
  • Jugendliche in der Pubertät
  • Frauen in den Wechseljahren

➡️ Das Zahnfleisch reagiert empfindlicher auf bakterielle Beläge und neigt schneller zu Blutungen.


Vitaminmangel- und Nährstoffmangel (Vitamin C & Vitamin K)

Ein Mangel an bestimmten Vitaminen kann Zahnfleischbluten begünstigen:

  • Vitamin C: wichtig für die Stabilität des Bindegewebes
  • Vitamin K: spielt eine zentrale Rolle bei der Blutgerinnung
  • Eisenmangel

Ein längerfristiger Mangel kann zu:

  • erhöhter Blutungsneigung
  • verzögerter Wundheilung
  • entzündetem Zahnfleisch führen

Medikamente 💊

Bestimmte Medikamente erhöhen die Blutungsneigung, z. B.:

Antikoagulanzien

  • z. B. ASS, Marcumar, DOAKs

Antiepileptika (z. B. Phenytoin)

Immunsuppressiva

Chemotherapie

können Zahnfleischbluten verursachen oder verstärken.


Was hilft bei Zahnfleischbluten? (Hausmaßnahmen)

Gründliche, aber sanfte Zahnpflege

  • 2× täglich Zähneputzen
  • Weiche Zahnbürste verwenden
  • Sanfte Kreisbewegungen statt starkem Schrubben

⚠️ Wichtig: Zähneputzen nicht vermeiden, auch wenn es blutet.


Reinigung der Zahnzwischenräume

  • Zahnseide oder Interdentalbürsten
  • Einmal täglich, ideal abends

Hier sitzen oft die Bakterien, die Entzündungen verursachen.


Mundspülungen (kurzfristig)

Antibakterielle Mundspülungen können kurzfristig helfen, sollten aber nicht dauerhaft ohne zahnärztliche Empfehlung angewendet werden.


Gesunde Ernährung & Lebensstil

  • Vitaminreiche Kost
  • Ausreichend Flüssigkeit
  • Rauchstopp (Rauchen verschlechtert die Durchblutung des Zahnfleischs)

Wann sollte man mit Zahnfleischbluten zum Zahnarzt?

Ein Zahnarztbesuch ist dringend empfohlen, wenn:

  • Zahnfleischbluten länger als eine Woche anhält
  • Schmerzen, Schwellungen oder Rückgang des Zahnfleischs auftreten
  • Mundgeruch trotz guter Mundhygiene besteht
  • Zähne empfindlich oder locker werden

➡️ Eine frühzeitige Behandlung verhindert Folgeschäden und Zahnverlust.


Warum Zahnfleischbluten ernst genommen werden sollte

Chronische Zahnfleischentzündungen stehen im Zusammenhang mit:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Diabetes-Verschlechterung
  • Frühgeburten (bei Schwangeren)

Die Mundgesundheit hat direkten Einfluss auf den gesamten Körper.


Fazit: Zahnfleischbluten ist ein Warnsignal

Zahnfleischbluten sollte nicht ignoriert werden.
In den meisten Fällen lässt sich die Ursache gut behandeln – besonders bei früher Diagnose.

👉 Eine zahnärztliche Untersuchung schafft Sicherheit und schützt Ihre Zahngesundheit langfristig.

Häufige Fragen zu Zahnfleischbluten

Ist Zahnfleischbluten gefährlich?
Kurzfristig nicht – dauerhaft kann es ein Zeichen für Entzündungen oder Parodontitis sein.

Kann Stress Zahnfleischbluten verursachen?
Ja. Stress schwächt das Immunsystem und begünstigt Entzündungen im Mundraum.

Welche Zahnbürste ist bei Zahnfleischbluten die beste?
Weiche Handzahnbürsten oder elektrische Zahnbürsten mit Druckkontrolle.

Hilft Mundspülung gegen Zahnfleischbluten?
Kurzfristig ja – dauerhaft nur in Kombination mit guter Zahnpflege.

Kann Vitaminmangel Zahnfleischbluten auslösen?
Ja, besonders Vitamin-C- und Vitamin-K-Mangel.

Letzte Aktualisierung:

22.01.2026

Medizinisch geprüft / Redaktion:

Autor Dr. med. dent. R Kohlschmitt

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